Die in der Ausstellung gezeigten Exponate sind Bestandteil einer großen Anzahl von Filmplakaten verschiedenster Epochen und Genres in Heimo Bachsteins Sammlung. In mehreren, recht hohen Stapeln und teilweise in große Umschläge verpackt, stellte sich die zu besichtigende Masse an gesammelten Filmplakaten dar. Aus Briefen und anderen Dokumenten wurde deutlich, dass Heimo Bachstein mit Hinweis auf das Archiv, das er aufbaute, oft Kinos und Produktionsfirmen um Aushangbilder und Plakate bat.

Unter all diesen Filmplakaten ließ sich zunächst keine bestimmte Vorliebe erkennen. Es scheint, als hätte Bachstein grundsätzlich alles aufbewahrt, was in seinen Besitz fiel, ohne sich dabei auf einen Interessensschwerpunkt beschränken zu wollen. Dies gilt nicht nur für die Filmplakate, sondern für seinen gesamten Nachlass.

Trotz alledem werden hier nun einige Filmplakate und Aushangbilder herausgegriffen. Ein deutscher Regisseur der 1950er Jahre – Helmut Käutner – zwei seiner Filme, repräsentiert von vier Plakaten und vier von 20 Aushangbildern lassen sich in dieser Ausstellung zu einem Themenkomplex zusammenfassen.

Helmut Käutner wurde am 25. März 1908 in Düsseldorf geboren und nahm schon in seinen Jugendjahren Schauspielunterricht an der Folkwang-Hochschule in Essen. Zum Studium ging er nach München, wo er Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft hörte. Käutners spezielle Kabarettbegabung wurde dort von dem legendären Theaterwissenschaften Arthur Kutscher entdeckt. In den Jahren 1931 bis 1935 spielte Käutner im studentischen Ensemble „Die vier Nachrichter“, bis dieses von den Nationalsozialisten verboten wurden. Von 1936 bis 1939 war er Schauspieler und Regisseur am Leipziger Schauspielhaus, bevor er schließlich über das Drehbuchschreiben zum Film kam und 1939 seinen ersten Film „Kitty und die Weltkonferenz“ drehte.

Während des Krieges schuf Käutner eine Reihe „künstlerisch“, aber nicht „staatspolitisch wertvoller“* Filme. Dies sicherte ihm das Privileg, von der Wehrmacht freigestellt zu werden. Das Kriegende erlebte Käutner bei Hamburg, wo er sich um den Wiederaufbau von Theater, Film und Rundfunk verdient machte.

Zwei von ihm gegründete Produktionsfirmen und zwei für Universal in Amerika gedrehte Filme später kehrte Käutner wieder zurück nach Deutschland. Bis 1970 drehte er weitere Kinofilme, doch seit Mitte der 1960er Jahre wandte er sich in erster Linie dem Fernsehen zu. An großen Theatern spielte und inszenierte er zudem bis 1975. Käutners letzter Fernsehfilm entstand 1977, bevor er sich aus gesundheitlichen Gründen in sein Haus in der Toskana zurückzog, wo er am 20. April 1980 verstarb.

In der Ausstellung zu sehen sind zu einem zwei Plakate des Films „Des Teufels General“. Als Käutner 1955 Carl Zuckmayers gleichnamiges Stück verfilmte, war dieses Drama auf den deutschsprachigen Nachkriegsbühnen seit 1946 vielfach mit sehr großem Erfolg inszeniert worden. Thema in dem von Zuckmayer 1942 im amerikanischen Exil begonnenen Werk ist der Zweite Weltkrieg. In einer Art Dreiecksverhältnis zwischen dem geradlinigen Fliegers Harras, dem bösen SS-Gruppenführers Schmidt-Lausitz und dem Ingenieurs Oderbruch, welcher den Frieden durch Sabotage an den eigenen Flugzeugen herbeiführen will, entwickelt sich eine Geschichte, die für das Nachkriegspublikum, welches in den Krieg verstrickt war, eine letztlich rechtfertigende Sicht bot.

DER HAUPTMANN VON KÖPENICKEin Jahr später, 1956, verfilmte Käutner ein weiteres Stück von Zuckmayer aus dem Jahr 1932: „Der Hauptmann von Köpenick“. Von diesem Film sind hier ebenfalls zwei Plakate und zudem vier Aushangbilder ausgestellt. Der Film basiert ebenso wie das Stück auf einem realen Geschehen: der Fall des Schusters Voigt, der 1906 nach mehreren Haftstrafen keinen Pass erhielt, sich eine Uniform beschaffte und in der Maske eines Hauptmannes das Köpenicker Rathaus besetze, um dort einen Pass zu bekommen. Die Verfilmung war ebenfalls sehr erfolgreich und begründete den Ruhm Käutners.

Ein Wort des französischen Kritikers Louis Marcorelles aufgreifend, der Helmut Käutner einen „Dandy“ genannt hat, resümiert Joe Hembus 1961:

„Der Dandy Käutner glaubt, der Welt alles über sich bereits gesagt zu haben. Nichtsdestoweniger spricht er weiter zu ihr. Und diese Welt hört weiter zu, denn die Faszination des Dandy besteht aus einem unerschöpflichen Register des Aufwendigen.“**

Für Heimo Bachstein lässt sich spekulieren, dass er Käutners Potenzial, populäres Kino über den Status trivialer Heimat- und Musikfilme hinaus in dem vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten Deutschland zu produzieren, erkannte und daher mehrere Ausführungen von Plakaten und Bildern zu Käutners Werken sammelte.


*  entsprechend der Filmprädikate zur Zeit des Nationalsozialismus

**Joe Hembus (1961): Der Deutsche Film kann gar nicht besser sein. in: Wolfgang Jacobsen (1992): Käutner. Edition Filme. Berlin. S.7

Hier der Link zum Ausstellungs-Flyer zum Ausdrucken und Nachlesen: Kino der 1950er: Helmut Käutner (PDF, 1,6 MB)

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