Heimo Bachstein

Heimo Bachstein (geboren 1937, gestorben 2011) war Sparkassenangestellter und Filmenthusiast. Seine Begeisterung äußerte sich in den unterschiedlichsten cinephilen Aktivitäten: In den 1960er Jahren begann er, Filmplakate und Fotografien zu sammeln, schrieb filmkritische Texte und Vorträge, korrespondierte mit Verleihern, Filmemachern und Festivalleitungen, agierte als Jurymitglied und wurde gelegentlich – etwa von Christoph Schlingensief in United Trash (1996) – als Schauspieler gecastet. Nicht zuletzt drehte er selbst kurze Experimentalfilme auf 8 und 16mm, von denen wir einige in einer Pappkiste zwischen anderen Materialien entdeckten und digitalisieren konnten.

Schwerpunkte seiner Sammlung sind Sergej Eisenstein und das New American Cinema, aber auch zu anderen Filmemachern wie Ottomar Domnick oder Jean-Marie Straub/Danièle Huillet finden sich vielfältige Dokumente. Insgesamt zeichnet sich die Sammlung durch eine Aufmerksamkeit für randständige, wenig kanonisierte Strömungen und Akteure der Filmgeschichte aus.

2010 ist ein Teil des Nachlasses – korrekterweise müsste man sagen: des Vorlasses – Heimo Bachsteins durch die Vermittlung Wolfgang Beilenhoffs als Schenkung in die Bestände der Bibliothek der Bauhaus-Universität gekommen. Viele Regalmeter Material, bislang erst in Grundzügen gesichtet und systematisiert, warteten seitdem darauf, entdeckt zu werden.

Im Seminar »Archiv und Cinephilie. Eine Recherche im Nachlass Heimo Bachsteins« machten sich elf Studentinnen daran, die weitläufigen Bestände stichprobenartig zu erforschen. Sie öffneten Mappen, sichteten Fotografien, Filmplakate, Briefe, Filmreste, Zahlungsanweisungen, Drehbücher, Zeitschriften, wählten Objekte aus, recherchierten und stellten Zusammenhänge her. Dabei wurde deutlich, dass die Dokumente und Artefakte nicht nur als Fingerabdruck eines obsessiven Sammlers, sondern auch als Zeugnisse einer spezifischen Filmkultur und ihrer Infrastrukturen seit den 1960er Jahren relevant sind.

Bachstein war sich bewusst, dass sein Archiv von mehr als nur privatem Interesse sein würde. Im Briefkopf und auf verschiedenen Stempeln bezeichnet er seine Sammlung mal als »Eisenstein-Archiv«, mal als »Filmwissenschaftliche Sammlung«, mal als »Bachstein-Archiv«, mal als »Filmkunstarchiv Heimo Bachstein«. Die letztgenannte Selbstbezeichnung haben wir zum Titel einer kleinen Ausstellung gemacht.

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